Was sind eigentlich Aktienrückkäufe und was bringen Sie?

Bis März standen die Aktienmärkte vor Ihrer Talfahrt noch auf Höchstständen. Allerdings waren Sie nicht das Einzige. Auch die Aktienrückkaufprogramme der Unternehmen waren so hoch, wie nur 2018 zuvor. Insgesamt gaben die Unternehmen eine Trillionen Euro dafür aus. Da leider auch wir den Crash und die langfristige Entwicklung nicht vorhersagen können, konzentrieren wir uns auf Themen, die auch langfristig immer aktuell bleiben werden. Daher schauen wir uns die Aktienrückkäufe mal etwas genauer an.

Zunächst einmal funktioniert es genau so, wie es der Name vermuten lässt. Das Unternehmen, das zuvor die Aktien ausgegeben hat, kauft also seine eigenen Aktien zurück. Dies funktioniert bilanztechnisch so, dass auf der Passivseite das gezeichnete Kapital, um den Nennwert der Aktien gemindert wird und der Aufschlag des aktuellen Börsenkurses mit den freien Rücklagen verrechnet wird. Auf der Aktivseite mindern sich folglich die liquiden Mittel, also beispielsweise Barmittel oder Bankguthaben, um den Betrag des aktuellen Börsenkurses, zu dem das Unternehmen die Aktien zurückkauft.

Allerdings kann ein Unternehmen dieses Vorgehen nicht beliebig machen. Es benötigt, wie so oft die Zustimmung der Hauptversammlung, also der Aktionäre. Rechtlich ist der Anteil, der zurückgekauft werden darf, zumindest nach dem deutschen Aktienrecht auf 10% begrenzt.

Da die Transaktionen oft hohe Volumina betreffen und die Unternehmen daher nicht, wie wir Privatanleger, einfach ihre Order aufgeben können, werden auch Aktienrückkaufprogramme von Banken begleitet, die dafür sorgen, dass der Kurs nicht beeinflusst wird. Dies geschieht sowohl an der Börse, als auch durch außerbörsliche Transaktionen.

Doch was ist der Grund, warum Unternehmen zurückkaufen und was bedeutet es für uns?

Die zurückgekauften Aktien werden nach ihrem Kauf vom Unternehmen eingezogen. Daher teilt sich der Gewinn des Unternehmens auf weniger Aktien auf und erhöht damit den Gewinn pro Aktie, genauso wächst auch die Dividende pro Aktie. Für die Anleger bedeutet das, dass Ihre Anteile mehr wert sind, der Aktienkurs steigt also. Die Unternehmen steigern also Ihre Attraktivität, da sie eine höhere Dividende zahlen und für die Anleger hat es zumindest kurzfristig einen positiven Effekt. Allerdings muss man auch beachten, dass in Krisenzeiten der Verlust auf weniger Aktien verteilt.

Die große Frage ist allerdings immer, ob das Geld nicht in anderen Investments besser angelegt wäre. Dies ist ein berechtigter Kritikpunkt an den Aktienrückkäufen. Das Unternehmen hat offensichtlich keine andere Verwendung für das Geld. Allerdings kommt es auch immer auf den aktuellen Börsenpreis an. Das Unternehmen kennt sich selbst am besten. Wenn der aktuelle Börsenpreis unter dem Wert liegen sollte, kann es natürlich auch Sinn ergeben die eigenen Aktien zu kaufen, da Sie perspektivisch ein gutes Investment sind.

Daher gibt es keine allgemeine Aussage über Aktienrückkäufe, dennoch können wir uns ein paar Beispiele anschauen, um das Thema besser zu verstehen. Zunächst schauen wir uns Apple an. Es ist wahrscheinlich eines der bekanntesten Unternehmen der Welt und auch das Unternehmen, was besonders stark eigene Aktien zurückkauft. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 73 Milliarden US$ verwendet, um dies in eigene Aktien zu investieren. Allerdings besitzt Apple enorme Cash Vorräte. Anfang 2019 betrugen diese kurzfristigen Vermögensgegenstände 245 Milliarden US$. Offenbar sieht das Unternehmen trotz Höchstständen an den Aktienmärkten es immer noch als das beste Investment an, in eigene Aktien zu investieren. Somit steigt der Gewinn pro Aktie immer weiter. Auffällig ist allerdings, dass der Gewinn des Unternehmens nicht mehr steigt. Dies ist eine Gefahr die von Aktienrückkäufen ausgeht. Sinnvolle Investments werden nicht getätigt. Dies könnte langfristig auch bedeuten, dass die Aktionäre eine geringere Rendite erhalten.

Bei Apple ist trotz der enormen Aktienrückkäufe weiterhin genügend Kapital verfügbar, falls sich eine gute Investmentgelegenheit ergibt. Doch wie sieht dies bei anderen Unternehmen aus.

Boeing war bis 2018 auch eines der Unternehmen, die die größten Volumina in Aktienrückkäufe investiert haben. Bis zum Absturz des ersten 737 Max Fliegers ist der Aktienkurs enorm angestiegen. Nun stellt sich die große Frage, ob das ein nachhaltiges Wachstum war oder es vorrangig durch die Aktienrückkäufe zustande gekommen ist. Ich kann nicht beantworten, ob die Flugzeuge nicht sicher waren, weil zu viel Geld in Aktienrückkäufe und zu wenig Geld in das eigene Unternehmen investiert wurde. In jedem Fall ist es auffällig.

Außerdem werden die CEO´s der Unternehmen oft mit gewissen Bonuszahlungen bestückt, die auch an den Aktienkurs oder den Gewinn pro Aktie gebunden sind. Dies bedeutet, dass sie ihr eigenes Gehalt durch die Aktienrückkäufe steigern können. Auch dies ist nicht prinzipiell schlecht, aber wenn die gesamte Unternehmensführung nicht an der langfristige Wertsteigerung des Unternehmens interessiert ist, sondern nur in ihrer Amtszeit ein gutes Ergebnis präsentieren will, ist dies nie gut.

Als letztes schauen wir uns General Electric an. Dies war ehemals das wertvollste Unternehmen der Welt. Zwischen 2015 und 2017 hat GE knapp 40 Milliarden US$ in eigene Aktien investiert. Damals stand der Kurs noch bei 30 US$. Die Rückkäufe wurden zusätzlich mit aufgenommen Fremdkapital finanziert, was den Verschuldungsgrad enorm ansteigen ließ. Als wäre das nicht genug besaßen sie noch Optionen auf steigende Aktienkurse, die sie auch zu Höchstkursen ausüben konnten.

Dies ist ein klassisches Beispiel, bei dem man besonders aufpassen sollte. Der Aktienkurs ist in dieser Phase zwar kurzfristig gestiegen, als dann noch eine zweifelhafte Übernahme hinzukam, wurde die Verschuldung an den Märkten eingepreist und der Kurs kennt inzwischen nur noch eine Richtung.

Folglich gilt für uns. Aktienrückkäufe können zwar die Aktienkurse steigen und in manchen Phasen durchaus sinnvoll sein. Die zentrale Frage ist jedoch, wie sie finanziert werden und wie es dem Unternehmen dahinter geht. Denn sonst können die Aktienrückkäufe auch ganz schnell eine negative Wirkung haben. Daher gilt wie immer: Augen auf beim Aktienkauf.

 

Autor: Tobias Carlé


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